"In unserer Zeit ist es überaus wichtig, daß der Mensch seine Persönlichkeit erforscht, um in ihr die verborgenene Inspiration und die Kraft zu finden, auf die er sein ganzes Leben aufbauen kann. Das Leben hat eine umfassendere Bedeutung, als bloß zu leben; es ist die Gelegenheit, sich zu veredeln und jene Vollkommenheit zu erreichen, die das innerste Bedürfnis jeder Seele ist...
Die Lösung des Problems unserer Zeit liegt im Erwachen des Bewußtseins der Menschheit zur Göttlichkeit des Menschen." (Hazrat Inayat Khan)


Es ist nicht leicht, den Sufismus zu definieren, denn er ist eine Art religiöse Philosophie, geht aber über Religion und Philosophie hinaus; vor allem ist er eine Schulung unserer Sichtweise zu ganzheitlicher Betrachtung. Wer ihm folgt, ist nicht auf bestimmte Dogmen, Rituale oder spirituelle Techniken festgelegt. Sufismus bedeutet auch nicht Rückzug aus der Welt, sondern ein bewußtes Eintauchen ins Leben. Er unterstützt uns, unsere höchsten Ideale mit unserem Alltagsleben zu verbinden.

Die Wurzeln des Sufismus reichen weit in die Vergangenheit zurück. Es gab u. a. Verbindungen zu den ägyptischen Mysterienkulten und Einflüsse der altpersischen Weisheitslehre, der griechischen Philosophie und des Buddhismus.

Ursprünglich bezog sich das Wort „Sufismus“ auf die orientalischen Mystiker, die man Sufis nannte - vielleicht wegen ihrer schlichten Kleidung aus Wolle (arabisch suf) oder ihrem Streben nach innerer Reinheit (arabisch safa). Die mittelalterlichen Sufis hatten sich insbesondere am Koran orientiert, standen aber oft im Gegensatz zur herrschenden islamischen Orthodoxie und mußten dafür nicht selten ihr Leben hingeben. Hazrat Inayat Khan war im Jahre 1910 der erste, der in Europa und Amerika einen überkonfessionellen, universalen Sufismus lehrte, den Pir Vilayat kreativ weiterentwickelt hat. Dadurch hat der Sufismus eine neue Ausprägung erhalten und ist eine einzigartige religionsverbindende „Botschaft von Liebe, Harmonie und Schönheit“ geworden, die sich an alle Menschen richtet. Er ermöglicht es jedem Einzelnen, seine eigene Religion besser zu verstehen und zu leben, weshalb jedermann diesen Weg gehen kann, unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit.