Noor-un-NisaNoor-un-Nisa (übersetzt: Licht der Frauen bzw. Licht der Weiblichkeit) Inayat Khan wird am  Neujahrstag 1914 als erstes Kind Pir-o-Murshid Inayat Khans und seiner Frau Amina Begum (geb. Ora Ray Baker) in  Moskau  geboren.

Aufgrund der russischen Revolution flieht die Familie außer Landes nach London. Hier kommen Noor-un-Nisas Geschwister Vilayat, Hidayat und Claire (Khair-un-Nisa) auf die Welt. 1922 findet die Familie zusammen mit drei Brüdern von Hazrat Inayat Khan in Suresnes, einem Vorort von Paris, ein Zuhause. Fazal Manzil (Haus des Segens)  wird  dieses Heim genannt. Hier erleben sie eine glückliche Zeit, geprägt von Spiritualität, Meditation und Musik. Es ist ein Platz für Sufis, die das ganze Jahr über hier herkommen. Als 1927 Hazrat Inayat Khan auf seiner Reise in Indien stirbt und seine Frau daraufhin unter schweren Depressionen leidet, übernimmt Noor-un-Nisa im Alter von 12 Jahren als ältestes Kind die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister. Nach der Schule studiert sie klassische Musik an der École Normale de Músique de Paris (Harfe und Klavier) und  Kinderpsychologie an  der  Sorbonne.

1939 erscheinen in London die Twenty Jataka Tales –  Noor Inayat Khans  Nacherzählungen aus berühmten Legendensammlungen zu früheren Inkarnationen des Buddhas. Auch schreibt sie für die Zeitung Le Figaro auf der Kinderseite. Sie möchte eine eigene Kinderzeitung herausgeben, eine Idee, die durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges durchkreuzt wird.

Als überzeugte Pazifistin – sie benutzt ihre Waffe auch nicht während ihrer Zeit in der Résistance – und gleichzeitig tief geprägt von  der  Lehre  ihres  Vaters,  entscheidet  sie sich, zusammen mit ihrem Bruder Vilayat, gegen  den  Nationalsozialismus  in Deutschland  zu kämpfen. Passiv zu bleiben, angesichts der Berichte über die menschenunwürdigen Zustände in den Konzentrationslagern, ist ihnen beiden unmöglich. Ebenso verbietet  es ihnen die tief verwurzelte Achtung vor allen  Religionen  und  allen  Menschenrassen, einfach nur zuzuschauen. 1940  gehen  sie  nach  London.  Noor-un-Nisa  wird  eine  hochspezialisierte Funkerin, Vilayat tritt in die Royal Navy ein und dient später als Offzier auf einem Minenräumboot.

1942 tritt Noor-un-Nisa in Churchills Eliteeinheit Special Operations  Executive (SOE)  ein und unterstützt die Résistance in Frankreich. Über den Geheimdienst SOE kehrt sie im Juni 1943 als Funkerin unter dem Decknamen Madeleine nach Paris zurück. Als es sehr gefährlich wird und man sie nach London zurückholen möchte, besteht sie darauf, in Frankreich  zu bleiben  – als letzte Verbindung  zwischen  Frankreich und  den  Alliierten.

Ihre Schönheit wird ihr zum Verhängnis. Die Schwester  eines  Agenten, der  mit Vilayat  eng zusammenarbeitet, verrät sie aus Eifersucht und für Geld an die Gestapo.  Am  13. Oktober  1943  wird sie von der  Gestapo  gefasst, ein Fluchtversuch scheitert, sie wird in  ein Gefängnis nach Pforzheim geschickt. Sie wird gefoltert, muss hungern, wird geschlagen – fast ein Jahr lang. Es gibt auch Informationen, dass sie im Konzentrationslager Strutho gewesen sein soll und von dort nach Dachau gebracht wurde, wo sie am 13. September 1944 ermordet wird. Ihre letzten Worte sollen Liberté gewesen sein, bevor  sie im Alter von 30 Jahren  sterben  musste.

Ihr Bruder Hidayat Inayat Khan komponierte für sie La Monotonia Suite, Symphonique Op. 7. Dazu schrieb er: ZITAT »Mögen die Noten dieser Musik die Zuhörer daran erinnern, dass einige Seelen ihr Leben geopfert haben, so dass wir in der Lage sind, laut zu rufen: Es lebe die Freiheit von Körper, Herz und  Geist ... «

Noor-un-Nisa hinterlässt tiefe Eindrücke bei allen Menschen, die ihr begegnen. Berührt sind sie von ihrer Freundlichkeit, ihrer Liebenswürdigkeit und ihrem Mitgefühl, aber auch von ihrer Stärke und ihrem Mut. Pir Vilayat sah in ihr den Archetyp des weiblichen Ritters verkörpert: ZITAT »Ihr Geist lebt weiter, wann immer der Ruf nach Freiheit unsere Tapferkeit aufrüttelt.«

So ist Noor-un-Nisa auch in unserer Zeit ein zutiefst bewundernswertes Vorbild  an  Zivilcourage. Sie ermutigt uns, für unsere Ideale einzustehen und die Fackel in der Dunkelheit hochzuhalten.

 
Noor 2

PUBLIKATIONEN:

Noor-un-Nisa Inayat Khan: Zwanzig Jataka  Märchen.
Neufassung der Legenden über die früheren Leben Buddhas.
Illustrationen: H. Willebeek Le Mair
Den Haag 1978. ISBN 978 -90-70104 -30-6  
www.verlag-heilbronn.de

Noor Inayat Khan: King Akbar’s Daughter.
Stories for Everyone as Told  by Noor Inayat   Khan.
Zweisprachige Ausgabe: französisches Original, englische Übersetzung von Sandra Lillydahl.
Suluk Press  2012 .
ISBN 978 -0930872922  
www.omegapub.com

BIOGRAPHISCHES:

Shrabani Basu: Spy Princess: The Life of Noor Inayat Khan.
Vorwort von Pir Zia Inayat-Khan
Stroud [u.a.]: Sutton Publishing, 2006 . ISBN  978 -0-7509 -3965 -2.

www.omegapub.com

Jean Overton Fuller: Noor-un-Nisa Inayat Khan
East-West Publications Funds

Laurent Joffrin. Die  vergessene  Prinzessin
Bastei Lübbe  2005. ISBN-13: 978 -3404921768

A.U. Pendragon: Codename Madeleine
Verlag: Publishamerica 2009. ISBN-13: 978 -1615463039

Video „Time watch The Princess Spy World  War II“
BBC.
Dokumentation in  5  Teilen
TV Dokumentation (44  Minuten) über Noor-un-Nisa Inayat  Khan

www.verlag-heilbronn.de/autorinnen/noor-un-nisa-inayat-khan

 EINIGE  GEDENKSTÄTTEN:

Gedenktafel  in  Suresnes  bei  Paris,  am  Eingang  zum  ’Fazal  Manzil‘,  dem  Haus  ihrer  Familie.
Ein  begrünter Platz in  Suresnes  ’Cours Madeleine‘.
Grundschule ’École  Noor Inayat Khan dite Madeleine‘ in  Suresnes .
Gedenktafel für  Noor Inayat Khan  (gemeinsam  mit  drei anderen  britischen  SOE  Kämpferinnen) im Krematorium  des Konzentrationslagers Dachau
Im Jahr 2013 wurde in Londons ’Gordon Square‘, in der Nähe ihres Wohnhauses (Taviton Street) feierlich eine  Büste  mit Gedenktafel enthüllt.

WIDMUNGEN:

H-Moll-Messe 1996 im Konzentrationslager  Dachau, dirigiert von Pir Vilayat Inayat Khan
Tarek Fatah widmete ihr sein Buch: „The Jew is not my Enemy“
Noor-un-Nisa ist die Schirmherrin der von Pir Zia Inayat-Khan am 13 . September 2010 neu begründeten ’Knighthood of Purity‘ (’Ritterschaft der Reinheit‘) .
www.knighthoodofpurity.org
(Anlass  war der 100 . Jahrestag von Hazrat Inayat Khans Reise in  den  Westen.)

ZUR  WEITEREN  INFORMATION:

www.sufiorder.org/noor.html

www.sufimovement.us ( »» Remembering Noor)

www.noormemorial.org
Gedenkstiftung  mit der Botschaft von Frieden  und Gewaltlosigkeit