Die Einweihung in einen geistigen Weg beinhaltet den Wunsch nach einem spirituellen Training. Diejenigen, die diese formale Bindung nicht wünschen, sind dennoch eingeladen, an den Lehren und Veranstaltungen, die der Sufi-Orden anbietet, teilzunehmen. Diejenigen, die sich dafür entscheiden, ihre Bindung an diese geistige Schule durch die Einweihung deutlich zu machen, werden "Murids" (Schüler) genannt.

Hazrat Inayat Khan schreibt über Einweihung:

"Einweihung bedeutet nicht mehr als einen Schritt vorwärts, einen Schritt, den man voller Hoffnung und Mut unternehmen sollte; denn ohne Mut und Hoffnung wäre es äußerst schwierig, überhaupt irgendeinen Schritt vorwärts zu tun. "Einweihung ist, einfach ausgedrückt, der Erfahrung eines Menschen ähnlich, der nie schwimmen gelernt hat und sich zum ersten Mal in einen Fluß oder in das Meer begibt, ohne zu wissen, ob er in der Lage sein wird, zu schwimmen, oder ob er fortgeschwemmt wird und ertrinkt. Jeder Mensch hat in der einen oder anderen Form eine Einweihung im weltlichen Sinn erlebt."

Einweihung im wahren Sinn des Wortes, wie es auf dem spirituellen Weg verwendet wird, ereignet sich dann, wenn ein Mensch trotz seiner Religion, seines Glaubens, seiner Meinung und Vorstellungen über spirituelle Dinge das deutliche Gefühl hat, daß er jetzt einen Schritt in eine Richtung unternehmen sollte, die er noch nicht kennt. Wenn er diesen ersten Schritt unternimmt, bedeutet das eine Einweihung. Al-Ghazzali, ein großer persischer Sufi-Meister, sagt, daß das Betreten des geistigen Pfades wie das Abschießen eines Pfeiles auf einen Punkt sei, den man nicht sehen kann, sodaß man nicht weiß, wo der Pfeil auftreffen wird. Man kennnt nur das eigene Tun, aber man sieht nicht das Ziel. Es ist schwierig, für einen weltlich orientierten Menschen, sich in einen Weg einweihen zu lassen, den er mit seinen physischen Sinnen nicht erfassen kann. Er weiß nicht, wohin er geht.

"Ein gedankenvoller Mensch, der in einem bestimmten Glauben aufgewachsen ist, findet es vielleicht auch deshalb schwierig, den ersten Schritt auf dem Pfad der Einweihung zu tun, wenn er möglicherweise einen Schritt in eine Richtung gehen muß, die sich von dem, was er bisher gelernt hat, unterscheidet oder vielleicht gar im Gegensatz dazu steht. Ein von bloßer Neugier getriebener Mensch wird sich sicherlich auf alles Mögliche stürzen; für solche Menschen macht es keinen Unterschied, ob sie eine Einweihung empfangen oder nicht. Jedoch ist für denjenigen, der die Einweihung ernst nimmt, der erste Schritt der schwierigste."

Einweihung in den Sufi-Orden zeigt die Aufrichtigkeit, mit der man den Sufi-Weg betritt, sie stärkt die Kraft für diesen Weg und überträgt einen Segen auf den Schüler, der ihn bei seinem weiteren Fortschritt unterstützt. Diese Einweihung verbindet den einzelnen Sufi-Schüler mit der Kette der Meister und Lehrer aller Zeiten. Die so geschaffene Verbindung ist von lebenslanger Dauer und knüpft ein heiliges Band, ähnlich, wie es bei der Taufe geschieht.

Man kann die Einweihung in den Sufi-Orden durch Pir Zia Inayat Khan oder einen der Repräsentanten bzw. eine der Repräsentantinnen des Sufi-Ordens erhalten. Denjenigen, die an Einweihung interessiert sind, wird empfohlen, sich einen der Repräsentanten als "Guide" (Begleiter auf dem spirituellen Weg) zu wählen, zu dem sie ein besonderes Gefühl von Vertrauen und Respekt haben; denn beides ist für das angebotene geistige Training wichtig. Von diesem Guide erhalten die Eingeweihten spirituelle Übungen, die die geistige Erkenntnis fördern, die Entfaltung ihres Wesens unterstützen und ihnen in den Herausforderungen des Lebens helfen. Diese Übungen sind nicht obligatorisch, sondern werden als Geschenk gegeben.

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